Steyr im Dialog über die Zukunft der Stadt

Veröffentlichungsdatum16.06.2026Lesedauer4 MinutenKategorienWirtschaft, Zukunftsregion Steyr

Open Studios Steyr und Architekturtage26

Bei den OPEN STUDIOS STEYR und ARCHITEKTURTAGEN 26 (OSS x AT26) wurde unter dem Titel „Was Steyr verbindet, Expedition zu den Infrastrukturen des Alltags“ die Stadt selbst zur Bühne für Baukultur und Austausch. Rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkundeten aktuelle Projekte zwischen Architektur, Stadtentwicklung, Freiraum, Bildung, Energie und Erinnerungskultur.

Den Auftakt bildete das Paddlerhaus, wo rund 45 Interessierte erstmals die neue visuelle Identität der Stadt kennenlernen konnten. Walter Stromberger (Agentur Kest) und Michael Atteneder (Atteneder Grafik Design) präsentierten gemeinsam mit Carmen Braun, Daniela Zeiner und Vizebürgermeisterin Anna-Maria Demmelmayr-Durst den mehrjährigen Entwicklungsprozess hinter der neuen Marke Steyr. Die anschließende Diskussion zeigte, wie intensiv sich Bürger:innen, Unternehmen, Vereine und Institutionen bereits mit der zukünftigen Positionierung der Stadt auseinandersetzen. Im Anschluss richtete sich der Blick auf konkrete Projekte am Wasser. Klaus Landerl (Arkform Architekten) stellte das Paddlerhaus vor, während Didi Seyrlehner (Archionic) Einblicke in die Entstehung der neuen Chill Out Zone gab.


Mit dem Fahrrad zu den Schauplätzen der Stadt

Von dort führte die TOUR DE STEYR mit dem Fahrrad quer durch die Stadt und machte sichtbar, wie unterschiedlich die Themen sind, die heute unter dem Begriff Baukultur zusammenfinden. Menschen aus Architektur, Innenarchitektur, Handwerk, Restaurierung, Projektentwicklung, Bildung, Wirtschaft und Verwaltung präsentierten ihre Projekte und gewährten persönliche Einblicke in ihre Arbeit.

Eine Gruppe von Menschen, die Fahrrad auf einer Straße fahren

Die Tour de Steyr führt zu den einzelnen Projekten, wie hier Flößerhaus und Gartenhaus. Foto: Mayr


Siebensternehaus

Im Siebensternehaus erzählte Initiatorin Stefanie Schurich gemeinsam mit ihrem Planungsteam rund um Almuth Bene, Andreas Bauernfeind und Julia Krendl von der Entwicklung eines Hauses, das Wohnen, Gesundheit, Nahversorgung und Begegnung vereint. Die Geschichte des Gebäudes wurde dabei ebenso sichtbar wie seine Zukunft. Freigelegte historische Oberflächen, neue Nutzungen und gemeinschaftliche Räume zeigen, wie Bestand weitergedacht werden kann.


Geplantes Kleinwasserkraftwerk

Am Zusammenfluss von Steyr und Enns rückte mit der Machbarkeitsstudie des Kleinwasserkraftwerks Zwischenbrücken ein Projekt in den Fokus, das technische Innovation, Energiewirtschaft, Denkmalschutz, Landschaftsraum und Stadtbild miteinander verbindet. Markus Rechling-Greimel (Stadtbetriebe Steyr) stellte die komplexen Herausforderungen wie beispielsweise die gestalterische Einbindung vor und diskutierte mit den Interessierten über die Möglichkeiten nachhaltiger Energieerzeugung an einem der sensibelsten Orte der Stadt. Für die Umsetzung stehen weitere vertiefte Überlegungen und ein umfassender Abstimmungsprozess bevor.

Eine Gruppe von Menschen, die vor einem Gebäude stehen

Die Radtour führt zum geplanten Kleinwasserkraftwerk bei Zwischenbrücken. Foto: Rosner


Lernort Synagoge

Einen völlig anderen Zugang zur Stadtgeschichte eröffnete der geplante Lernort Synagoge. Martin Hagmayr (Museum Arbeitswelt) und Katharina Höfler (Atteneder Grafik Design) präsentierten ein Projekt, das Erinnerungskultur, Demokratiebildung und Architektur miteinander verknüpft. Mit behutsamen Eingriffen soll ein Ort entstehen, der Geschichte sichtbar macht und gleichzeitig Raum für zukünftige gesellschaftliche Debatten schafft.


Sanierung HTL Steyr

Vor der HTL Steyr gaben Direktorin Sandra Losbichler und Architekt Gernot Hertl (hertl.architekten) Einblicke in die umfassende Sanierung und der dadurch neu entstandenen Identität des Schulstandorts. Die Verbindung aus innovativer Holzbauweise, energetischer Sanierung und räumlicher Aufwertung zeigte eindrucksvoll, wie Bildungsbauten auch städtebauliche Impulse setzen können.


Wohnprojekt UNSEREINS

Am Tabor präsentierten Markus Rabengruber und Daniela Tankova (TP3 Architekten) gemeinsam mit Vizebürgermeister Michael Schodermayr das Wohnprojekt UNSEREINS. Geförderte Wohnungen, altersgerechtes Wohnen, Wohnplätze der Lebenshilfe und ein Frauenhaus bilden hier ein Quartier, das soziale Vielfalt nicht als Herausforderung, sondern als Stärke versteht.


Freiraum-, Uferprojekte und Zeugstätte III

Weitere Stationen führten zum Wieserfeldplatz, wo neue Perspektiven für den Umgang mit historischer Bausubstanz von Architekt Didi Seyrlehner (Archionic) vorgestellt wurden. Beim Museum Arbeitswelt wurde der geplante Freiraum samt Entsiegelungsmaßnahmen von Stephan Rosinger (Museum Arbeitswelt) und Gernot Hertl (hertl.architekten) vorgestellt. Abschluss bildete die Zeugstätte III im Wehrgraben, wo Julia Krendl (Julia Krendl Architektur) Einblicke in den Planungs- und Bauprozess gab. Barbara Ambrosz (Lucy.D) stellte die Innenarchitektur für das Lokal „Rumi“ im Erdgeschoß vor. Bestärkende Worte der Motivation kamen von National- und Stadträtin Katrin Auer. Dort wurde sichtbar, wie Architektur, Gastronomie, Unternehmertum und langfristiges Standortengagement gemeinsam neue urbane Qualitäten schaffen können.

Eine Gruppe von Menschen, die in einem Raum stehen

Rund 110 Interessierte erkundeten mit OSS x AT26 aktuelle Projekte zwischen Architektur, Stadtentwicklung, Freiraum, Bildung, Energie und Erinnerungskultur. (Zeugstätte lll) Foto: Mayr

Begleitet wurde die Tour von Tobias Zachl (Gelbton), dessen musikalische Interventionen die einzelnen Stationen miteinander verbanden und der Veranstaltung eine besondere Atmosphäre verliehen.


Gemeinsam die Zukunft der Stadt denken

Was die OSS x AT26 besonders machte, war jedoch nicht allein die Vielzahl der Projekte. Es war die außergewöhnliche Dichte an Menschen, die ihre Erfahrungen, Visionen und Perspektiven teilten. An einem einzigen Tag kamen Vertreter:innen aus Architektur, Design, Stadtplanung, Bildung, Kultur, Politik, Wirtschaft, Handwerk, Denkmalpflege, Energieversorgung und Zivilgesellschaft miteinander ins Gespräch. Kritische Fragen trafen auf mutige Ideen, Fachwissen auf Alltagswissen, Visionen auf konkrete Umsetzungserfahrungen.

Das Kurator:innenteam – Andreas Kupfer (PROJEKT+PROZESS), Julia Krendl (Julia Krendl Architektur), Barbara Ambrosz (Lucy.D) und Daniela Zeiner (Zukunftsregion Steyr) – zieht ein positives Fazit: „Die zahlreichen Gespräche, Diskussionen und Begegnungen entlang der Tour machten deutlich, dass Baukultur weit mehr ist als das Planen und Bauen von Gebäuden – sie entsteht dort, wo Menschen gemeinsam über die Zukunft ihrer Stadt nachdenken.“